• Das Erstellen neuer Accounts wurde ausgesetzt. Bei berechtigtem Interesse bitte Kontaktaufnahme über die üblichen Wege. Beste Grüße der Admin

Super-GAU

anna55

Moderator
Der Smalltalk ist ja per Definition auch der Platz für aktuelle Ereignisse. Wir stecken ja mittendrin in einem üblen aktuellen Ereignissen, gehen wahrscheinlich einem Super-GAU entgegen der INES-Stufe 7, wie es bei der Katastrophe in Tschernobyl der Fall war.

Ich sage bewusst 'wir', weil die Atompolitik uns alle weltweit betrifft. Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit nach dem 1. Mai 1986 erinnern. Meine jüngste Tochter war da gerade zwei Jahre alt. Ich habe Kisten von H-Milch gehortet, wochenlang konnte kein frisches Gemüse gekauft werden. Die Kinder mussten sich drin aufhalten, mussten jeden Tag abgeduscht werden, die Haare mussten gewaschen werden, um die Strahlenbelastung zu senken. Erklärt mal kleinen Kindern wochenlang, warum sie nicht im Sand spielen dürfen. Und wir haben weit weg vom eigentlichen Ort des Geschehens gewohnt.

Heute berichtet Frontal 21, der Beitrag ist wohl in der ZDF-Mediathek nochmal anzusehen, dass immer noch in Bayern und Baden-Württemberg Wildschweine so strahlenverseucht sind, dass sie entsorgt werden müssen. Auch die Pilze sind nach wie vor hoch verseucht.

Ich bin erschüttert, wie unsere Politik sich hinstellt und ein Moratorium von drei Monaten ausruft, bis die Landtagswahlen vorbei sind, um danach wieder zur Tagesordnung überzugehen.
 
AKW sind Auslaufmodelle. Man kann aber im Moment nicht auf sie verzichten da in Deutschland 22% des gesamten Stroms von AKW erzeugt wird. In Frankreich sind es (ich glaube zumindest) über 60%. Wir müssen diese 22% durch neue Energieanlagen ersetzen und das geht eben nicht von Heute auf Morgen sondern kann Jahre dauern. Ich habe das mit Tschernobyl (zum Glück) nicht miterlebt und kann deshalb darüber wenig sagen. Auch wenn wir uns sofort komplett vom Atomstrom trennen würden müssten wir die Energie aus anderen Ländern importieren (z.B. Frankreich) und hätten damit auch keinen Vorteil.
 
Moin, ich seh das so wie Junkee. Das was die Bundesregierung da macht ist Augenwischerei und blinder Aktionismus. Ich hoffe dass das Ereignis in Japan dafür sorgt, dass der "Ausstieg aus dem Ausstieg" vom Tisch ist.
Fakt ist aber, ein Erdbeben mit dieser Wucht ist in Deutschland ziemlich abwegig. Auch wenn hier in einigen Regionen die Erde mal wackelt, so kommt es doch nicht auf diese Stärken.
Auch ein Tsunami ist hier wohl eher nicht zu fürchten.
Fakt ist aber auch, dass die AKWs nach wie vor, so sauber sie auch sein sollen, eine große Gefahr und auf lange Zeit auch eine Umweltbelastung sind. Allein das Problem mit den radioaktiven Abfällen (sprich Castoren) zeigt es immer wieder auf.
Es ist Zeit, dass die ach so kluge Menschheit sich hier mal wieder mehr Gedanken drum macht. Aber leider ist das Thema dank der Energiekonzerne nicht so hipp dass sich hunderte Ingieneure drauf stürzen (wie dies aktuell z. B. bei dem alternativen Fahrzeugantrieb der Fall ist).
Vllt. ruckelt Japan die Leute auch über die deutschen Grenzen hinaus wach und es wird mehr in die Richtung getan. Aber ich glaube eherlich gesagt nicht daran.
 
auf wikipedia gibts ne Aufschlüsselung wie viel Energie wie erzeugt wird (Deutschland und Frankreich): http://de.wikipedia.org/wiki/Kernenergie#Kohlenstoffdioxid-Emissionen

also Frankreich hat 86% Atomenergie! und wenn man in Deutschland die 22% abschaltet hat man der Umwelt auch keinen gefallen getan, weil die Kohlekraftwerke dann noch mehr hochgedreht werden als sie es eh schon sind oder der Strom aus anderen Ländern importiert wird (Atomenergie dann als import aus Ländern die nicht den Sicherheitsstandard wie in Deutschland haben... da hat man ja echt was gekonnt, Abhängigkeit, höhere Kosten und möglicherweise eine größere Gefahr als vorher)

das die Atomenergie keine Endlösung ist ist klar, und das Frau Merkel ihren Kurs temporär ändern muss ist auch klar... denn Wähler sind dumm, die können sich kaum 3Monate zurückerinnern, sprich hauptsächlich das was aktuell passiert beeinflusst die Meinung; und zur Zeit ist halt Atomenergie das personifizierte böse (was ja auch irgendwo stimmt^^)
 
Fakt ist aber, ein Erdbeben mit dieser Wucht ist in Deutschland ziemlich abwegig. Auch wenn hier in einigen Regionen die Erde mal wackelt, so kommt es doch nicht auf diese Stärken.
Auch ein Tsunami ist hier wohl eher nicht zu fürchten.

Hast du mal nachgelesen, weshalb es zum Super-GAU von Tschernobyl kam? Und wer/was für die zahlreichen Beinahe-Unfälle in den verschiedenen AKWs verantwortlich zeichnet?
 
deutschland exportiert Strom, insofern wären die Hälfte der AKWs sofort ohne irgendwelche Einschränkungen oder Änderungen abschaltbar. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass die Atomlobby jedes Jahr Milliardensubventionen erhält (plus Milliarden Zusatzgewinnen durch Steurersparnissen), dann ist klar, dass der Ausstieg keine technische oder finanzielle Frage ist, sondern eine politische.

Das Problem der Kernkraft ist, dass es immer ein Restrisiko gibt. Das bedeutet, wenn die Kühlung ausfällt oder die Abschaltung schief läuft, ein Riesenproblem entsteht. Ob das nun durch eine Umweltkatastrofe oder menschliches Versagen oder Sabotage ausgelöst wird, spielt eine geringe Rolle. Wichtiger ist, dass es passieren kann.

Nächstes Jahr wird mit Sonnenstürmen gerechnet, deren Auswirkungen auf elektrische Anlagen unberechenbar sind (lt. wikipedia gab es in Kanada bei vergangenen Sonnenstürmen schon Stromausfälle). Fall durch ein solches Ereignis die elektrischen Anlagen in einem AKW lahmgelegt werden, kann man sich leicht anhand der aktuellen Ereignisse die Folgen vorstellen. Das nächste AKW steht in 40 KM Entfernung und ist eines der ältesten :(
 
Die Seite ist vom Bundesamt für Strahlenschutz:
http://www.bfs.de/de/ion/imis/imis_uebersicht.html

Inwieweit man den Angaben trauen kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Es gibt da eine Karte mit den aktuellen Messwerten der Radioaktivität bei uns, die alle 24 Stunden upgedated wird. Man bekommt Werte der Messstationen in einzelnen Orten angezeigt (draufklicken).
 
Zuletzt bearbeitet:
Sich darüber Gedanken zu machen, halte ich dagegen für reichlich übertrieben.

Es wird mit Sicherheit keine nennenswerte Strahlung bis nach Europa kommen. Es gab dort ja keine Atomexplosion (selbst die wäre hier kaum messbar) . Und in den AKWs dort, kommt es nicht zu einem Graphitbrand wie in Tschernobyl, d.h. es wird kein Material in die höhere Atmosphäre geblasen, sondern nur durch normale Rauchentwicklung. Darüber hinaus gibt es dort aktuell Niederschläge, d.h. das Material wird aus der Atmosphäre gewaschen. Was es für die Menschen in unmittelbarer Umgebung schlimmer macht.
 
Wo ich gerade wieder über das CERN Experiment gestoßen bin. Hier nun die Horror-Theorie (achtung: nicht ernst gemeint): Hängen vllt. die ganzen schweren Erdbeben in letzter Zeit mit dem Urknallversuch des CERN zusammen? Zeitlich würde es in den Rahmen passen :)
 
Es wird mit Sicherheit keine nennenswerte Strahlung bis nach Europa kommen.

Ich weiß, wie du das Wort 'nennenswert' gebrauchst. Trotzdem: die Presse fand es 'nennenswert', dass heute radioaktive Partikel Deutschland erreichen:
http://www.sueddeutsche.de/politik/...dioaktive-partikel-erreichen-europa-1.1076385

Angeblich wird geprüft, ob Autozulieferteile verstrahlt sein können, der Zoll nimmt Proben auch bei Lebensmitteln.

Wird es ein Umdenken geben jenseits von Wahlkampfäußerungen?

Schon 2015 könnten alle 17 deutschen Meiler heruntergefahren werden. Zu diesem Schluss kommt Olav Hohmeyer, Professor für Energie- und Ressourcenwirtschaft, nach einer Untersuchung des Kraftwerksparks.
Quelle: http://www.fr-online.de/wirtschaft/energie/ausstieg--ist-machbar/-/1473634/8244948/-/index.html
 
Also ich finde Moratorium hin oder her. Was die Politik aber wieder jetzt abzieht finde ich übelst. In den Diskussionen hört man zumeist nur Schuldzuweisungen wer was zu welcher Zeit falsch entschieden hat oder (seinerzeit richtig) entschieden hat, was aber aus heutiger Sicht als grundlegend falsch angesehen wird. Die Politiker aller Parteien stellen sich hin und man hört nur: Du (Ihr) hast (habt) dies und das falsch gemacht (entschieden). Du (Ihr) hast (habt) dorrt und dann die Unwahrheit gesagt. Du (Ihr) hast (habt) habt dieses Gesetzt entschieden... Bla bla bla...

Was sind denn die Schlagworte der Politik wenns mal wieder knallt?
"Arbeitsplätze", "alternativlos" und "später".

Ich finde es wird zu wenig öffentlich konstruktiv debattiert um eine Lösung für unser Atomproblem zu finden.
Auch finde ich interessant wie durch diese Schuldzuweisungen heraus kommt wieviele Böcke zu Gärtnern gemacht wurden :confused:

Man stelle sich nur vor Augen das den großen Energiekonzernen E.on, EnBW und Vattenfall ca. zwei Drittel der Aktion des Unternehmens Tüv Süd Ag gehoren und ausgerechnet dieses Unternehmen ist für die Sicherheit der Kernkraftwerke zuständig. Da frage ich mich wie kann man das mit der Problematik Atomenergie vereinbaren?
Und da wäre auch noch unser Baden Würternberger Namens Mappus, welcher ja pro Laufzeitverlängerung der AKW's gewesen ist. Warum ist er jetzt auf einmal für die Abschaltung des AKW Neckarwestheim? Stelle man sich mal vor (was ich mir natürlich gar nicht wünsche), dass es einen Gau in diesem AKW Neckarwestheim gibt. Was wäre dann? Man kennt ja die Sperrzonen von Tschernobyl und jetzt Fukushima. Nehmen wir für das AKW Neckarwestheim eine Sperrzone von ca. 40km an. Schon liegt Stuttgard ja voll drinn und wäre an sich "nicht nutzbar". Was ist die Konsequenz? Der ja ach so tolle Superbahnhof, das Milliardengrad 21, wäre ja dann voll betroffen und somit eine Fehlinvestition. Ist das Umdenken als Resultat zu sehen, dass Herrn Mappus das "Restrisiko" nun doch zu hoch ist?

In den Medien wird ja momentan propagiert, das Wissenschaftler theoretisch davon ausfgehen das so ein Gau nur alle 10000 Jahre stattfindet. Bei weltweit ca. 400 AKW's kommt man dann folglich auf durchschnittlich einen Gau alle 25 Jahre (1000:400=25). Und was sagt die Realität? 1986 Tschernobyl, jetzt Fukushima, wir sind also voll im Zeitplan. Das finde ich irgendwie erschreckend!

Auch finde ich lächerlich einem Herrn zu Guttenberg vorzuwerfen er stelle die Bundeswehrsolldaten vor die Diskussion zu seiner Person. Und was machen mitunter die selben Politiker jetzt? Sie stellen die Opfer und die Situation in Japan vor die Diskussion zu der Atompolitik in Deutschland. Sie zeigen im Grunde das selbe Fehlverhalten, welches jetzt wohl oder übel als legitim angesehen wird.

Klar werden 22% der gesammten Energieproduktion aus Kernkraft gewonnwen. Da Deutschland aber auch Energie exportiert sollte man das nicht als "haben muß" sehen. Wie erklärt sich sonst das vor 3 Monaten gesagt wurde "Wir müssen die Laufzeit verlängern, da wir nicht genügend Altarnativen haben" und jetzt aufgrund des Moratoriums können wir für 3 Monate (oder danach auch für immer) insgesamt 7 AKW's einfach so abschalten? Ich finde das passt etwas nicht!

Natürlich bringt unsere Politik auch viel gutes an den Tag, aber was die Atompolitik angeht sehe ich das nicht so. Was ist den aus dem gemeinschaftlichen europäischen Plan gewurden aus der Atomtechnik auszusteigen. Nahezu jedes Land hat das verworfen und die AKW's laufen länger und länger...
Auch kann ich die Alternativversorger/-entwickler etwas verstehen. Für was sollen die jetzt Unsummen an Geld ausgeben um evtl. erst viel später einen Gewinn zu erzielen, weil die AKW's bis 2035 und teilweise länger betrieben werden können? Das bei sowas die Haltung aufkommt "Wir können uns ja noch etwas Zeit lassen um Investitionen zu tätigen" kann ich verstehen, auch wenn ich es als falsch empfinde!

Auch finde ich es etwas überheblich zu sagen "Die deutschen AKW's sind die sichersten der Welt". Wie kann man sich anmaßen soetwas zu sagen? Und das bei einer Energiegewinnung die der Mensch einfach nicht Kontrollieren kann! Infrastrukturen kann man gegen Erdbeben, Feuer etc. vorbeugend gestalten aber gegen Strahlung? Zumal ja zwei unabhängige Studien zu dem Ergebnis gekommen sind, das die deutschen AKW's und die Japanischen AKW's die selbe Sicherhaitseinstufung bekommen!? Wie schon Anna schrieb - bei Tschernobyl gab es kein Erdbeben und keinen Tsunami, in dem beinahe Gau in Norwegen (oder war es Schweden) war auch kein Erdbeben und kein Tsunami. Es war beides mal menschliches Versagen. Wer kann garantieren dass das auch nicht in einem deutschen AKW passieren kann?

Das Thema Umwelt und Kernkraftwerke ist ja auch so ein Thema. Was ist die Umwelt? Die Umgebung eines Lebewesens? Also die Natur? Also im Prinzip die Erde? Was wäre denn schlimmer für die Erde? Ein CO2-Gau das alles Eis schmilzt und dadurch die Ozeane vieles überfluten und platt machen? Danach erholt sich unsere Erde und gut ist und es wird wohl einige hunderte Jahre dauern bis der CO2 Wert sich reguliert hat. Oder ist es für die Erde besser überall den radioaktiven Abfall zu lagern welcher jahrtausende zu Strahlen vermag? Das Zeug wird noch strahlen wenn alle Behälter und Gefäse zu Lagerung am verrotten sind und dadurch Strahlung austritt. Aber anscheinend ist der Mensch so engstirnig und geht davon aus das die Erde den Strahlento ins Auge sehen muß wenn die Menschheit vielleicht schon gar nicht mehr auf selbiger lebt.

Wie war das: Die Alternative ist das Resultat aus der Situation nach dem Irrtum.
 
Ich weiß, wie du das Wort 'nennenswert' gebrauchst. Trotzdem: die Presse fand es 'nennenswert', dass heute radioaktive Partikel Deutschland erreichen:
http://www.sueddeutsche.de/politik/...dioaktive-partikel-erreichen-europa-1.1076385
Na, dann wird's Zeit die Jodtabletten zu essen :)
Danach haben wir wahrscheinlich mehr Kranke mit Schildrüsenüberfunktion, als in Japan durch die Strahlenbelastung. Denn das muss man schon sagen, Tote gibt es durch Unfälle in AKWs immer relativ wenige. Trotzdem müssen die Dinger abgeschaltet werden, damit neue Technologien die weniger Probleme verursachen entwickelt werden können.

Ich hab die Woche einen Bericht über dieses Sonnenprojekt in der Wüste gesehen. Das ist alles schön und gut und wird auch funktionieren. Aber man muss sich mal diese gewaltigen Investitionen vorstellen. Denn warum sollten die Afrikanischen Länder Strom nach Europa exportieren, solange sie selber nicht genug haben? D.h. es müssen erst Milliarden in die lokale Versorgung investiert werden, bevor ein Kilowatt nach Europa transportiert werden kann. Aber langfristig wären die Milliarden die die Atomlobby erhält, dort vermutlich besser aufgehoben. In vielerlei Hinsicht.
 
Zurück
Oben