Redpadz
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Die Bahnreise
"Die Bahn kommt!" heisst es in einem Werbespot - Ja, schon. - Nur wann? Und wie? Pünktlich? Mal ohne Desaster? Womöglich gar klitoral? Ist schon hochinteressannt, was einem so alles durch den Kopf schiesst, wenn man auf dem Nürnberger Hauptbahnhof auf einen IC wartet, der mal wieder Verspätung hat, und der einen ins ungeliebte Hessenland zurückbringen soll...
Da hat doch dieser Tage der Eisenbahnoberguru wieder eine Meldung abgelassen, wie andere Leute einen Magenwind: Man wolle jetzt Raucherzonen auch auf Bahnsteigen einrichten, damit die Bahnhöfe "nicht mehr aussähen wie Aschenbecher", das "würde viele Reinigungskräfte sparen". - "Si tacuisses!" möchte man ihm zurufen, dem mäkeligen Herrn Mehdorn. Welche Reinigungskräfte denn? Als mich mein alter Freund Norbert S. bei meiner Anreise vom Zug abholte, wähnte er sich - er war wohl schon längere Zeit auf keinem Bahnsteig mehr - angesichts des meterhoch wild wuchernden Unkrautes auf dem Gleisbett irgendwo in Aserbeidschan; der Eindruck wurde nur dadurch entkräftet, daß wenig später das größte Space-Shuttle Deutschlands, nämlich der ICE einrollte.
Ja, der ist schon irgendwie schick, dieser ICE - und schnell - und teuer! Unsereins muß halt mit dem "normalen" IC Vorlieb nehmen. Und was das bedeutet, weiß jeder geplagte Mensch, der ausgerechnet am Sonntag Nachmittag von Nürnberg nach - sagen wir mal Frankfurt - mit dem Zug will oder muß. Rappelvoll ist er, der Zug! Rapp-el-voll! Und das nicht nur mit pickeligen Angehörigen der Streitkräfte. Hat man schliesslich doch noch einen Sitzplatz ergattert (zwar Nichtraucher, aber immer noch besser als 2 Stunden stehen), naht prompt ein fettes Weib mit 3 Blagen, 4 Koffern und einem Vogelkäfig und nölt irgendwas von Platzkarten (welche immerhin bis Würzburg dann auch endlich vom Zugpersonal angebracht werden). Und bis Würzburg hält dann auch die Freude über ein freies Plätzchen in der schon fast ausgestorben geglaubten Gattung der Raucherabteile (!), in dem nur zwei nett lächelnde Herren sitzen und qualmen, und sonst nichts. Wie gesagt: Bis Würzburg. Da entern nämlich 6 schwitzende, weil schwerst bepackte und obendrein auch noch nichtrauchende Herren ächzend das natürlich für sie reservierte Abteil. Nolens volens begebe ich mich also mit meinem leichten Gepäck nach weiter vorne - und siehe: Ich werde fündig! Mein Gegenüber ist zwar ein doch recht verquaste Selbstgespräche führender Rentner, aber das macht nichts. Weil ich nämlich mein Buch (Pikanterweise Jack Kerouac´s "On the road") platzhaltertechnisch auf dem ohnehin viel zu engen Sitz zurücklasse, und dem "Snack-Point" noch weiter vorne zustrebe. Speisewagen ist nämlich nicht mehr - dafür jetzt dieser "Snack-Point". Der ist natürlich oberrappelübervoll. Gleich neben der Bierzapfanlage (Das Pils - 0,3l - zu 5 Mark fünfzig) stehen drei sichtlich angetrunkene Kölner Herren mittleren Alters die Gegend voll und erzählen Schoten vom Jupp, oder so. Ich erkämpfe mir in bestens erprobter Großstadtkneipentresendurchschaffmanier einen 0,03 qm Platz, verkeile mich zwischen 1 Kölner und 1 Pfosten und ordere frech mein erstes Pils dieses Tages. Dann wage ich, festgekrallt an einer zwar schönen, aber platztechnisch völlig fehlkonzipierten Konsole, eine erste Rundumpeilung.
Den hinteren Bereich des sog. "Service-Points" halten 4 zugedonnerte Korpsstudenten mit Farben, Mütze und allem dazugehörigen Fallera besetzt; Im mittleren Teil erkenne ich 1 Kleinfamilie mit offenbar wohlerzogenem Kind (Jedenfalls kräht es nicht nach Eis oder Schlimmerem); 3 Angström weiter buhlt ein pomadisierter Fatzke um die Gunst einer gruftig gewandeten Riesentittigen, die ihm ihre letzte Beziehungskiste als Endlos-CD ins brünftig vernebelte Hirn säuselt; unter/neben/über mir gewahre ich zwei nette junge Bürschlein, die auf dem Wege nach Karlsruhe sind, dorten 2 LKW´s übernehmen sollen, und sich Pilstechnisch grade die berüchtigte Kante geben. Hier bin ich heute richtig, denke ich, und schliesse mich der nächsten Bestellung der beiden einfach an - das spart das Durchwursteln zum "Service-Point-Provider", oder wie auch immer man den gestressten Kerl nun nennen mag.
Und der Arme hat es auch keineswegs einfach: Rechts von ihm ordern die (gottlob NICHT schon singenden) Kölner eine Runde nach der anderen; auf fünf Kaffe-bestellende-und-danach-im-Zugrütteln-wieder-jede-Menge-davon-verschüttende Muttis kommen jeweils ein gröhlender Korpsstudent, ein halbgarer Manager aus der ersten Klasse mit postkoitaler Lust auf fränkische Bratwurst, ein 3/4 breiter Cody, 2 nette Karlsruhe-bounded Bürschlein mit Pilsdurst, 1 pomadisierter Fatzke mit dem inzwischen dritten Piccolo (hat aber offenbar doch nichts genützt: Die Dicktittige stieg nämlich in Aschaffenburg aus - einfach so), und noch so manches seltene Menschenvolk, das mir - vorbeitorkelnderweise - wohl irgendwie entgangen ist.
Irgendwann hält der IC auf freier Strecke - aus der Lautsprecherdurchsage lässt sich nur ein vages "brrzz... Baustellenarbeiten ...brzzs.. jioooiiihhim zckh..." erhören - aber das macht eigentlich inzwischen auch nichts mehr: Der Anschlusszug in Frankfurt ist sowieso schon weg; was soll´s, dann nehme ich halt den nächsten!
Was höre ich da? Unbefriedigender Schluss? - Dummfug! Fahrt doch einfach mal selber am Sonntag Nachmittag 3 Stunden mit der Bahn, dann habt Ihr Euren Schluß - ob der dann etwas befriedigender als meiner ist, das wage ich allerdings zu bezweifeln!
PS: Der Text ist nicht von mir!!!!
CU
Redpadz
"Die Bahn kommt!" heisst es in einem Werbespot - Ja, schon. - Nur wann? Und wie? Pünktlich? Mal ohne Desaster? Womöglich gar klitoral? Ist schon hochinteressannt, was einem so alles durch den Kopf schiesst, wenn man auf dem Nürnberger Hauptbahnhof auf einen IC wartet, der mal wieder Verspätung hat, und der einen ins ungeliebte Hessenland zurückbringen soll...
Da hat doch dieser Tage der Eisenbahnoberguru wieder eine Meldung abgelassen, wie andere Leute einen Magenwind: Man wolle jetzt Raucherzonen auch auf Bahnsteigen einrichten, damit die Bahnhöfe "nicht mehr aussähen wie Aschenbecher", das "würde viele Reinigungskräfte sparen". - "Si tacuisses!" möchte man ihm zurufen, dem mäkeligen Herrn Mehdorn. Welche Reinigungskräfte denn? Als mich mein alter Freund Norbert S. bei meiner Anreise vom Zug abholte, wähnte er sich - er war wohl schon längere Zeit auf keinem Bahnsteig mehr - angesichts des meterhoch wild wuchernden Unkrautes auf dem Gleisbett irgendwo in Aserbeidschan; der Eindruck wurde nur dadurch entkräftet, daß wenig später das größte Space-Shuttle Deutschlands, nämlich der ICE einrollte.
Ja, der ist schon irgendwie schick, dieser ICE - und schnell - und teuer! Unsereins muß halt mit dem "normalen" IC Vorlieb nehmen. Und was das bedeutet, weiß jeder geplagte Mensch, der ausgerechnet am Sonntag Nachmittag von Nürnberg nach - sagen wir mal Frankfurt - mit dem Zug will oder muß. Rappelvoll ist er, der Zug! Rapp-el-voll! Und das nicht nur mit pickeligen Angehörigen der Streitkräfte. Hat man schliesslich doch noch einen Sitzplatz ergattert (zwar Nichtraucher, aber immer noch besser als 2 Stunden stehen), naht prompt ein fettes Weib mit 3 Blagen, 4 Koffern und einem Vogelkäfig und nölt irgendwas von Platzkarten (welche immerhin bis Würzburg dann auch endlich vom Zugpersonal angebracht werden). Und bis Würzburg hält dann auch die Freude über ein freies Plätzchen in der schon fast ausgestorben geglaubten Gattung der Raucherabteile (!), in dem nur zwei nett lächelnde Herren sitzen und qualmen, und sonst nichts. Wie gesagt: Bis Würzburg. Da entern nämlich 6 schwitzende, weil schwerst bepackte und obendrein auch noch nichtrauchende Herren ächzend das natürlich für sie reservierte Abteil. Nolens volens begebe ich mich also mit meinem leichten Gepäck nach weiter vorne - und siehe: Ich werde fündig! Mein Gegenüber ist zwar ein doch recht verquaste Selbstgespräche führender Rentner, aber das macht nichts. Weil ich nämlich mein Buch (Pikanterweise Jack Kerouac´s "On the road") platzhaltertechnisch auf dem ohnehin viel zu engen Sitz zurücklasse, und dem "Snack-Point" noch weiter vorne zustrebe. Speisewagen ist nämlich nicht mehr - dafür jetzt dieser "Snack-Point". Der ist natürlich oberrappelübervoll. Gleich neben der Bierzapfanlage (Das Pils - 0,3l - zu 5 Mark fünfzig) stehen drei sichtlich angetrunkene Kölner Herren mittleren Alters die Gegend voll und erzählen Schoten vom Jupp, oder so. Ich erkämpfe mir in bestens erprobter Großstadtkneipentresendurchschaffmanier einen 0,03 qm Platz, verkeile mich zwischen 1 Kölner und 1 Pfosten und ordere frech mein erstes Pils dieses Tages. Dann wage ich, festgekrallt an einer zwar schönen, aber platztechnisch völlig fehlkonzipierten Konsole, eine erste Rundumpeilung.
Den hinteren Bereich des sog. "Service-Points" halten 4 zugedonnerte Korpsstudenten mit Farben, Mütze und allem dazugehörigen Fallera besetzt; Im mittleren Teil erkenne ich 1 Kleinfamilie mit offenbar wohlerzogenem Kind (Jedenfalls kräht es nicht nach Eis oder Schlimmerem); 3 Angström weiter buhlt ein pomadisierter Fatzke um die Gunst einer gruftig gewandeten Riesentittigen, die ihm ihre letzte Beziehungskiste als Endlos-CD ins brünftig vernebelte Hirn säuselt; unter/neben/über mir gewahre ich zwei nette junge Bürschlein, die auf dem Wege nach Karlsruhe sind, dorten 2 LKW´s übernehmen sollen, und sich Pilstechnisch grade die berüchtigte Kante geben. Hier bin ich heute richtig, denke ich, und schliesse mich der nächsten Bestellung der beiden einfach an - das spart das Durchwursteln zum "Service-Point-Provider", oder wie auch immer man den gestressten Kerl nun nennen mag.
Und der Arme hat es auch keineswegs einfach: Rechts von ihm ordern die (gottlob NICHT schon singenden) Kölner eine Runde nach der anderen; auf fünf Kaffe-bestellende-und-danach-im-Zugrütteln-wieder-jede-Menge-davon-verschüttende Muttis kommen jeweils ein gröhlender Korpsstudent, ein halbgarer Manager aus der ersten Klasse mit postkoitaler Lust auf fränkische Bratwurst, ein 3/4 breiter Cody, 2 nette Karlsruhe-bounded Bürschlein mit Pilsdurst, 1 pomadisierter Fatzke mit dem inzwischen dritten Piccolo (hat aber offenbar doch nichts genützt: Die Dicktittige stieg nämlich in Aschaffenburg aus - einfach so), und noch so manches seltene Menschenvolk, das mir - vorbeitorkelnderweise - wohl irgendwie entgangen ist.
Irgendwann hält der IC auf freier Strecke - aus der Lautsprecherdurchsage lässt sich nur ein vages "brrzz... Baustellenarbeiten ...brzzs.. jioooiiihhim zckh..." erhören - aber das macht eigentlich inzwischen auch nichts mehr: Der Anschlusszug in Frankfurt ist sowieso schon weg; was soll´s, dann nehme ich halt den nächsten!
Was höre ich da? Unbefriedigender Schluss? - Dummfug! Fahrt doch einfach mal selber am Sonntag Nachmittag 3 Stunden mit der Bahn, dann habt Ihr Euren Schluß - ob der dann etwas befriedigender als meiner ist, das wage ich allerdings zu bezweifeln!
PS: Der Text ist nicht von mir!!!!
CU
Redpadz