
Frameworks? Ja, aber… Klassisches PHP bleibt (leider?) Alltag
Neues Framework, neue Probleme. Jedes Jahr mindestens eines. Versprochen wird alles: Geschwindigkeit, Wartungsfreiheit, Automagie und seit 2025 noch KI-Klebstoff oben drauf. Praxis? Häufig sieht es anders aus. Wer 2026 seit längerem im Web unterwegs ist, landet erstaunlich oft wieder bei – klassischem PHP. Ohne Laravel, ohne Symfony, ohne Hexerei. Einfacher PHP-Code, Composer rein, gut ist. Klingt nach 2010? Nervt, funktioniert aber.
Warum? Sicher nicht aus Retro-Liebe. Es reicht schon ein Agenturprojekt mit Framework-Zwang, und die Liste der Nebenwirkungen wächst: Versionssalat, Abstraktionsschichten, die Debugging zum Ratespiel machen, und Hosting-Kosten, bei denen der Chef schluckt. Gerade auf Shared- oder günstigen Managed-Servern: Einmal zu viel Framework, schon läuft alles wie durch Sirup. Klassische PHP-Architektur dagegen: Code bleibt durchschaubar, Performance stimmt, läuft sogar noch auf Hardware aus dem letzten Jahrzehnt.
Wo Frameworks in der Praxis nerven
Direkt aus dem Alltag:
- Updates? Viel Spaß. Ein Minor-Update, schon will Composer die halbe Codebasis neu sortieren. Mehrere Kundenprojekte gleichzeitig? Willkommen im Upgrade-Karussell.
- Performance: Ein Framework zieht Module, die nie benutzt werden. Shared Hosting? Ladezeiten wie in der Modem-Ära.
- Debugging: Magische Methoden, Routing aus der Blackbox. Wer den Fehler sucht, sucht oft lange.
- Overkill: Für eine kleine API oder eine Handvoll Landingpages? Das halbe Framework mitschleppen – bringt selten etwas. Zwei, drei PHP-Skripte tun es meist besser.
Ergebnis: Termine platzen, Budgets laufen aus dem Ruder, Kunden genervt, Entwickler erst recht. Bei Mittelstand und Brot-und-Butter-Projekten ist das keine Randnotiz, sondern Alltag.
Klassisches PHP 2026 – immer noch quicklebendig
PHP steht 2026 nicht still. Composer, aktuelle Versionen (8.3, 8.4), statische Analyse, moderne Frontend-Tools: Das alles funktioniert auch ohne Framework. Vorteile?
- Klartext: Wer den Code liest, kann ihn verstehen. Kein Framework-Dschungel, keine Suche nach versteckten Abhängigkeiten.
- Schneller Seitenaufbau: Geringerer Overhead. Gerade auf Billig-Hosting spürbar.
- Upgrades ohne Herzstillstand: Einzelne Libraries tauschen, kein Totalsanierungszwang.
- Flexibel: APIs, Frontend-Sachen, KI-Tools – alles andockbar, kein Monolith im Weg.
- Langlebig: Viele Projekte laufen seit Jahren stabil, Wartung bleibt überschaubar.
Typisch in Agenturen: Wer kleine bis mittlere Projekte für Mittelstand oder regionale Kunden macht, kommt ohne Framework oft stressfreier und günstiger durch. Hosting-Kosten sinken, Pflege bleibt übersichtlich.
Wann Framework, wann nicht? Alltag statt Theorie
- Komplexe Projekte, große Teams, dauernd neue Anforderungen? Da lohnt sich ein Framework durchaus – jedenfalls, solange die Leute sich auskennen.
- Kleinere Sachen, stabile Anforderungen, Performance wichtiger als „neuster Stack“? Klassisches PHP ist oft der direkte Weg.
- KI-Tools, moderne Frontends – egal ob mit oder ohne Framework. Schlechte Architektur wird dadurch nicht besser.
- Agenturalltag: Aufwand und Nutzen nüchtern abwägen, nicht dem Hype folgen. Wer jedes Mal das größte Framework ausrollt, bezahlt (und debuggt) am Ende mehr.
Meine Einschätzung nach fast 30 Jahren Webentwicklung
Frameworks sind nicht per se schlecht. Aber: Für Standard-Websites, klassische Unternehmensauftritte, kleine APIs oder Miniportale reichen sie selten. In Agenturen mit 5 bis 10 Leuten sieht man oft: Weniger Framework heißt weniger Update-Stress, weniger Ärger bei Hosting-Wechsel und mehr Planungssicherheit. Klar – wer einen komplexen SaaS baut, braucht mehr Struktur. Wer aber 25 ähnlich gelagerte Kundenprojekte jongliert und dabei nicht jedes Jahr alles umschreiben will, fährt mit klassischem PHP und gezieltem JavaScript-Einsatz besser. Kunden merken sowieso meist nur, ob die Seite läuft – und das tut sie mit klassischer Architektur oft einfach länger und billiger.
Was tun? Konkrete To-Dos für 2026
- Bestehende Projekte prüfen: Wo ist das Framework wirklich nötig? Wo reicht schlankes PHP?
- Struktur trotzdem wahren: Auch ohne Framework auf klare Ordner, Autoloading und vernünftige Doku achten. Sonst Chaos.
- Performance regelmäßig testen, vor allem auf Shared Hosting. Wer Frameworks nutzt, sollte wissen, was da alles geladen wird.
- Upgrades planen, nicht aufschieben. Klassische Projekte lassen sich meist selektiv aktualisieren – Frameworks allzu oft nicht.
- KI-Tools: Kann helfen (Code-Review, Security-Checks), entscheidet aber nicht über die Architektur.
Weiterlesen – Praxisbeispiele aus der Community
- PHP 8.4: Neue Stolpersteine, neue Chancen – was jetzt ansteht
- PHP-Altprojekte absichern: OWASP-Check für SQL-Injection, XSS und Session-Fixation
- PHP mit etwas JS: Wieso Agenturen 2026 meist keinen Framework-Zirkus brauchen
Fazit – Frameworks sind okay, aber nicht für alles
Frameworks sind Werkzeuge, keine Pflicht. Wer 2026 ehrlich auf die eigenen Projekte schaut, landet oft wieder bei klassischer PHP-Architektur – einfach, wartbar, günstig. Kein Rückschritt, sondern Pragmatismus. Nicht jedes Projekt verdient den vollen Stack. Was zählt: Läuft es stabil, lässt es sich pflegen und bleiben die Kosten im Rahmen? Dann reicht das meist. Und manchmal ist weniger Framework einfach mehr.
bye
mo