
HTML von Hand, heute Build-Tools: Was sich wirklich geändert hat
1998: HTML getippt, Tabellen fürs Layout, Inline-Styles rein, fertig. Dreamweaver und Homesite – mehr brauchte keiner. Wer ein </td> vergisst? Feierabend, Layout zerlegt. Simpel, aber fehlerfreundlich. Heute? React, Vue, Svelte, dazwischen ein Node-Stack am Rande des Nervenzusammenbruchs. CSS-Grid, Flexbox, zig Tools. Komplex? Ja. Aber: Das Grundproblem hat sich keinen Zentimeter verschoben. Ordnung ins Markup bringen, sauber trennen, Code lesbar halten – das bleibt. Stolpersteine? Früher kaputter Browser, heute: Dependency-Hölle, npm-Fehler, Build bricht. Nur die Sorte Ärger ist neu.
Alte Schule hilft. Wer sauberes HTML und die Basics irgendwann wirklich kapiert hat, kommt auch jetzt klar. Drumherum ist alles aufwendiger, aber das Prinzip immer gleich. Technik nervt, Prinzipien nicht.
FTP: Nostalgie, aber wenig romantisch
FTP war jahrelang Standard. Datei ändern, hochladen – klappt, oder eben nicht. Wer nachts noch auf dem Server rumhantiert und aus Versehen das falsche File überschreibt, kennt das Drama. Backups? Meist veraltet. Versionierung? Eher ein Glücksspiel. Heute: CI/CD, alles automatisiert – im Idealfall. Fehler landen früh im Log, Deployments laufen auf Knopfdruck. Soweit die Theorie. Sobald die Pipeline hängt, steht man vor einem Rätsel, das komplexer ist als jeder FTP-Fail von früher.
Git hat tatsächlich einen Unterschied gemacht. Fehler finden, Änderungen zurückverfolgen, das klappt. Aber: Wer einmal ein nächtliches FTP-Debakel erlebt hat und dann das Backup drüberbügelt, weiß – chaotisch war’s immer, nur die Sorte Chaos hat gewechselt.
Browsersupport: Früher IE, heute Datenschutz
IE5, Netscape 4, dann IE6. CSS auf drei Browsern gleich? Viel Spaß. Polyfills, Conditional Comments, stundenlanges Flicken. Heute? Edge, Chrome, Firefox, Safari. Reicht meistens. Die echten Browser-Katastrophen sind Geschichte. CSS-Hacks? Selten geworden.
Natürlich tauchen neue Baustellen auf. HTTPS? Pflicht. Cookie-Banner? Nervt, aber muss sein. DSGVO killt so ziemlich jeden Third-Party-Script-Spaß. WebGL, WebAssembly, all die neuen APIs – können viel, brauchen aber Know-how. Die Frage ist heute nicht mehr, wie die Seite überall gleich aussieht. Sondern: Welche Features laufen überall, ohne dass die Seite morgen unwartbar wird oder ein Anwalt anruft?
CMS, Static Site, irgendwas dazwischen
Alles begann statisch, jede Änderung war Handarbeit. Dann kamen TYPO3, Joomla, WordPress – endlich dynamisch, aber mit neuen Problemen: Updates, Plugins, Lücken, Wartungsorgien. Seit ein paar Jahren wieder Gegenbewegung: Hugo, Next.js, Astro – statisch, schnell, wenig Angriffsfläche. Weniger Pflegekram.
Heute entscheidet das Projekt. Große Redaktion? CMS bleibt gesetzt, ohne Diskussion. Kleine Seite? Static Site Generator reicht meistens. Die Frage: Wie viel Flexibilität braucht man, wie viel Wartung nimmt man in Kauf? Es gibt kein Rezept, nur Abwägung.
Meine Einschätzung nach fast 30 Jahren Webentwicklung
Solide Grundlagen schlagen jeden Framework-Hype. Die schlimmsten Projekte waren meist die, wo Tools aus Prinzip gestapelt wurden – nicht weil sie gebraucht wurden, sondern weil sie neu waren. In Agenturen mit 5 bis 10 Leuten bringt’s mehr, auf wenige, stabile Tools zu setzen. Ein klarer Workflow, Backups, Prozesse – spart Zeit, Nerven und Geld. Jedes neue Framework verspricht das Blaue vom Himmel, aber liefert selten.
Für Einzelkämpfer und kleine Teams: Automatisierung ist nett, solange sie nicht die Hälfte der Arbeitswoche für das Debugging frisst. Build-Tools und Pipelines helfen, aber zu viel davon, und das Projekt wird zum Selbstläufer mit Eigenleben. Wer WordPress noch selbst wartet, merkt schnell: Ohne Updates und Backups geht nichts. Plugins? Jedes zusätzliche Plugin ist Risiko und Aufwand. Meistens bringt’s wenig.
Der Markt will schnelle, sichere Seiten. User Experience zählt. Niemand fragt nach der Build-Chain, wenn die Seite hängt oder der Cookie-Banner klemmt. Overengineering bringt selten was. Pragmatismus ist 2026 immer noch die beste Strategie.
Fazit
Webentwicklung: Heute komplexer, aber die alten Regeln gelten weiter. Wer die Basics kann, übersteht auch den nächsten Hype. Alles andere ist Routine – und ab und zu ein tiefer Seufzer, wenn die CI mal wieder spinnt. Technik kommt und geht. Sauberer Code und Pragmatismus bleiben. Hoffentlich.
bye
mo
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