Wir lasen in der Süddeutschen Zeitung:
Eine der enervierendsten Vereinigungen in diesem Land ist die Gesellschaft für deutsche Sprache. Das sind diese linguistischen Zeugen Jehovas, deren Mitglieder in Sack und Asche durch die Straßen laufen,
weil das Deutsch dauernd kaputtgeht. Sie wählen das Unwort des Jahres, verwalten den deutschen Sprachschatz und überziehen einen mit Anrufen und Leserbriefen des Inhalts, daß doch unser aller Muttersprache längst in Agonie liege. Allein schon die Werbung, Englisch allerorten, quengel, quengel, quengel. Gesellschafter, Deutsche, Sprachhüter! Spart euch die Briefe. Wir können euch eine motherfucking großartige News verkünden. Vorher aber machen wir uns aus Gründen der Leser-Blatt-Bindung noch schnell zur Meinungsmetze und bekennen: Ihr habt natürlich recht. Denglisch nervt. Und das pseudokosmopolitische Imponiergehabe der Werbeindustrie mit ihrem globalesischen Geschwätz ist so öd wie lachhaft. Aber damit ist jetzt Schluß. Die Werbung sattelt um auf Deutsch. McDonald‘s hat es vorgemacht: Aus Every time a good time wurde „Ich liebe es“. Das klingt zwar nach einer unbeholfenen Übersetzung aus dem Englischen, kein Mensch sagt im Deutschen: „Ich liebe es“, aber sponge over, ein Anfang war damit gemacht. Dieser Tage verwandelte ein Parfümfritze Douglas - Come in and find out in „Douglas macht das Leben schöner“. Und die anderen ziehen nach. Lufthansa, Sat 1, Esso, RWE - alle umwerben sie uns plötzlich auf Deutsch.
Studie belegt Erfolg deutscher Werbesprüche
Die Marktforschungsfi rma Dialego hatte 1000 Menschen gefragt, welche Werbesprüche sie am besten kennen. Die sieben ersten Plätze belegten deutsche Sätze, allen voran „Ich bin doch nicht blöd“. Viele der Befragten waren freilich doch blöd, denn es stellte sich zum Entsetzen der Werber heraus, daß die Kunden oftmals die englischen Slogans schlichtweg nicht verstehen. Powered by Emotion (Sat1) übersetzten viele ernsthaft mit „Kraft durch Freude“. Come in and fi nd out wurde interpretiert als „Kommen Sie rein und fi nden Sie wieder raus“. Da dachten vielleicht viele Leute beim Schaufensterbummel: „Tolle Parfümerie, aber wenn die mich gleich wieder rausschmeißen ... Außerdem hab ich keine Lust, für jeden Fußgängerzonenspaziergang ein Englischwörterbuch mitzunehmen. Geh ich eben nicht zu Douglas rein, sondern schlendere zu dem Unterschriftenaktionstischchen da drüben und halte ein Schwätzchen mit den Vertretern der Gesellschaft für deutsche Sprache. „Ja, doch, Sie haben recht, es ist schlimm. Gerne will ich Ihren Leserbrief mitunterzeichnen.“