• Das Erstellen neuer Accounts wurde ausgesetzt. Bei berechtigtem Interesse bitte Kontaktaufnahme über die üblichen Wege. Beste Grüße der Admin

Bundestrojaner 1.0

FAZ, 12.09.2007
Heimat ist, wo meine Festplatte liegt

Humor hat der Bundesinnenminister. Brieftauben, so Wolfgang Schäuble in der vergangenen Woche, hätten bei der „hochkonspirativen Arbeit“ der Festgenommenen keine Rolle gespielt. Das ironisiert die Frage nach angemessenen Polizeimitteln, und es bekräftigt nebenbei Schäubles Wunsch nach geheimen Online-Durchsuchungen. Es geht in der Debatte um die schwierige Definition des „unantastbaren Kernbereichs privater Lebensgestaltung“, in die der Staat nicht eindringen darf.
Ob er es technisch könnte, ist ebenso umstritten wie die Frage, ob es ihm erlaubt wäre.
(...)
Constanze Kurz, Diplom-Informatikerin und Spezialistin für Datenschutz beim Chaos Computer Club (CCC) Deutschland, moniert denn auch, dass die derzeitige Diskussion unter vielen Unrichtigkeiten leide. Die Pläne, so die erzürnte Kurz im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, seien unter technischen Aspekten geradezu „hirnrissig“. Jeder versierte Nutzer könne sich effektiv abschotten. Außerdem werde zu wenig darüber reflektiert, dass das Vorhaben nicht nur auf den heimischen Computer zielt, sondern generell auf informationstechnische Systeme. Damit ergebe sich ein erheblich größerer Anwendungsbereich.
Artikel lesen
 
Man muss sich das wirklich mal Wort für Wort geben:
Die Frankfurter Rundschau berichtet online und in der gedruckten Ausgabe vom 4.4.08:
(...)
Die Streitfrage ist jetzt: Wie kommen die Sicherheitsbehörden und Geheimdienste an die Daten in dem Personal-Computer? (Anmerkung: Mac-User sind anscheinend nicht im Visier!)
(...)
Im Bundesinnenministerium und in der Union liebäugelt man deshalb offenbar auch mit einer bequemeren Methode: nach konventioneller Agentenart sollen die Sicherheitsbehörden in Wohnungen einbrechen dürfen und dort mittels einer CD oder eines USB-Sticks den Computer von Verdächtigen entsprechend für das Datenabzapfen manipulieren. Ein solcher physischer Einbruch in verfassungsrechtlich geschützte Privaträume wäre aber nach Auffassung von SPD-Mann Wiefelspütz nur zulässig, wenn man das Grundgesetz ändern würde.
(...)
Das sieht die Union anders. Ein bloßes Eindringen in eine Wohnung, um ein Ausspähprogramm zu installieren, sei keine Hausdurchsuchung - und deshalb auch ohne Grundgesetzänderung erlaubt.
(...)
 
Zurück
Oben